Schwangerschaft

 Liebe Patientin,

Sie sind schwanger und erwarten Nachwuchs? Herzlichen Glückwunsch!

Jetzt beginnt eine spannende Zeit mit vielen Veränderungen, die nicht nur Ihren Körper, sondern auch die Mundhöhle betreffen können. Wichtig ist, dass gerade jetzt besonders auf die Zahnpflege und Ihre Prophylaxesitzung geachtet wird. Der richtige Zeitpunkt dafür ist das 2. Trimester.

Mundhygieneempfehlungen

Diese sollte sehr individuell abgestimmt sein. Empfehlenswert ist eine zweimal tägliche Reinigung der Zähne mittels mittelharter Zahnbürste von mindestens 2 Minuten. Wir beraten Sie gerne, ob eine Hand- oder elektrische oszillierende oder Schallzahnbürste für Sie richtig ist und wie diese verwendet werden soll. Auch tägliche Interdentalraumpflege mit bespielsweise Zahnseide oder Interdentalraumbürstchen sollte hier nicht zu kurz kommen! Ein wichtiger Baustein bei dem Erhalt der Zahngesundheit während der Schwangerschaft ist die professionelle Zahnreinigung. Diese sollte idealerweise im 2. Trimester stattfinden, also zwischen der 13. und der 26. Schwangerschaftswoche.

 

Fluoridempfehlungen

Fluorid kann zwar in sehr geringen Dosen die Plazentaschranke passieren, dennoch kann es in der Schwangerschaft ohne Risiko für das werdende Kind benutzt werden. Fluoride wirken Karies entgegen und können den Zahnschmelz säureresistenter machen. Somit sind Sie gerade in einer Schwangerschaft aufgrund des erhöhten Karies- und Erosionsrisikos empfehlenswert. Es wird empfohlen, mit einem fluoridierten Speisesalz zu kochen und zweimal täglich mit einer fluoridierten, nicht zu abrasiven Zahnpasta zu putzen. Über Fluoridgelees oder Spüllösungen sollte individuell in der Praxis gesprochen werden.

 

Ernährung

Es sollte auf genügend zuckerfreie Getränke, wie Wasser und ungesüßte Tees geachtet werden (mind. 1,5 Liter). Zu bevorzugen sind Vollkornprodukte und eine ausreichende Proteinzufuhr. Gesättigte Fettsäuren (z. B. Chips, Backfett) sollten vermieden, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z. B. Leinsamen-Öl) bevorzugt werden. Würzen heißt nicht salzen, es sollte lieber zu frischen Kräutern gegriffen werden. „Nicht doppelt so viel, sondern doppelt so gut essen!“ 250 kcal Mehrbedarf hat eine schwangere Patientin ab dem 2. Trimester. Das wäre beispielsweise eine Scheibe Vollkornbrot mit einem TL Butter und 15 gr. Käse. Dabei sollte besonders auf verstecke Zucker geachtet werden.

Saccharose = Haushaltszucker

 

Parodontitis

Wussten Sie, dass sich während der Schwangerschaft der Hormonspiegel verändert und die Blutgefäße durchlässiger werden? Das kann im Zusammenspiel mit harten und weichen Belägen zu Entzündungen im Zahnfleisch führen, die sich durch Bluten, Rötungen oder Schwellung bemerkbar machen. In schwereren Fällen kann dies zu Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) führen, was ernsthafte Folgen wie ein niedrigeres Geburtsgewicht, Frühgeburten oder Bluthochdruck haben kann. Daher ist eine regelmäßige zahnärztliche Betreuung während der Schwangerschaft besonders wichtig und die professionelle Zahnreinigung im 2. Trimester essenziell.  

 

Karies

Mythos entlarvt! Eine Schwangerschaft kostet keinen Zahn, aber erhöht das Kariesrisiko. Hormonelle Veränderungen machen die Zähne anfälliger. Kariesprävention ist einfach und wichtig. Bakterien im Mund lieben Zucker und produzieren damit Säure, welche Karies verursacht! Heißhunger und mangelnde Mundhygiene begünstigen Karies. Regelmäßige Zahnarztbesuche schützen Mutter und Baby. Lassen Sie die Zahngesundheit nicht außer Acht!

 

Sodbrennen

Ursächlich für Übelkeit und Erbrechen ist das Hormon GDF15. Das Hormon wird über die Plazenta freigesetzt und gelangt in den mütterlichen Blutkreislauf. Es stammt also vom heranwachsenden Kind. Rund zwei Drittel der Frauen leiden im ersten Trimester (Höhepunkt 8.-11. SSW) an Schwangerschaftsübelkeit und Sodbrennen.

Akuter Tipp: Putzen Sie nach dem Erbrechen nicht direkt die Zähne, spülen Sie den Mund mit Wasser aus!

Weitere Tipps:

-              Kräuter – Früchtetees

-              Kleine Mahlzeiten, Snack am Morgen

-              Fette und stark gewürzte Gerichte vermeiden

-              Unangenehmen Gerüchen aus dem Wege gehen

-              Zitronenwasser und Geruch von grünen Äpfeln (Hausmittel gegen Übelkeit)

-              Entspannung / ausreichend Schlaf / Bewegung an der frischen Luft

-              Akupressur

-              Trinken viel und richtig: Mineralwasser ohne Kohlensäure, keine säurehaltigen Getränke

  

Erosionen

Magensäure erzeugt Sodbrennen, greift den Zahnschmelz an und führt so zu Erosionen. Das bedeutet Zahnhartsubstanzverlust infolge von Säureeinwirkung. Ein Schluck Wasser, Milch oder Mundspüllösung hilft die Säure im Mund zu neutralisieren. Bei entsprechender Prophylaxe ist aufgrund der meist zeitlich begrenzten Säureeinwirkungsdauer aber eher selten mit gravierenden Erosionen zu rechnen, die konservierend versorgt werden müssen. Häufiger treten Zahnüberempfindlichkeiten auf.

 

Behandlung / Röntgen / Anästhesien

Zahnbehandlungen sind im 2. Trimester ideal, aber auch im 1. und 3. Trimester möglich. Therapien zur Karies- und Zahnfleischentzündungsbeseitigung wie Füllungen, Zahnreinigung und Parodontalbehandlung sind ratsam. Zu vermeiden ist Amalgam. Wurzelkanalbehandlungen können erfolgen. Röntgenaufnahmen sind bei medizinischer Notwendigkeit mit entsprechenden Schutzmaßnahmen erlaubt. Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) ist möglich. Entspannte Behandlungen mit Lokalanästhesie sind für Mutter und werdendes Kind gegenüber stressigen Behandlungen ohne Lokalanästhesie die bessere Wahl.

 

Welche Medikamente sind möglich?

Bei jeder Medikation während der Schwangerschaft sollte eine Nutzen-/Risikoabwägung erfolgen, die Datenbank Embryotox.de bietet hier eine gute Hilfestellung. Medikamente können die Plazentaschranke durchdringen und gelangen dann zum Embryo/Fötus, aber nicht in jedem Fall.  Als Antibiotika sind die Aminopenicilline (falls keine Allergien besteht) und als Schmerzmittel Paracetamol sowie Ibuprofen (bis max. 28. SSW) geeignet, möglichst als bewährte Monopräparate. Die örtliche Betäubung bei zahnärztlichen Behandlungen lässt sich risikoarm durchführen.

 

 

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